Auf ewig verbunden, doch niemals eins ~ Teil 1

Joselyn

JoselynMeine Schwestern und ich leben abgeschnitten von der restlichen Welt auf einer Insel, die sich im Nebel verbirgt. Die hiesige Natur ist unsere Mutter und wie gute Kinder bleiben wir bei ihr und sorgen für sie so wie sie für uns sorgt. Wir werden geboren als unschuldige Geister in einem jungen und wunderschönen Frauenkörper. Es gibt nichts in unserer Welt, dass unseren Geist verderben kann.

Ich kann nicht sagen wie viele Jahre mein Leben zählt. Es mögen Ewigkeiten sein, vielleicht jedoch nicht vielmehr als eine Handvoll. Die Zeit spielt für uns keine Rolle, denn der Tod ist nichts was uns ereilt. Doch für mich sollte sich alles ändern, als die stürmische See einen Mann an unser Ufer schwemmte.

Wer ich bin? Entschuldigt, ich habe euch noch gar nicht meinen Namen genannt. Ich vergesse solche Formalitäten schnell, da ich und meine Schwestern keine Sprache benötigen. Einen Namen gab mir erst der Mann. Die Menschen müssen alles benennen können, es ist regelrecht ein Zwang, so als wäre eine Existenz davon abhängig einen Namen zu besitzen. Joselyn, so nannte er mich und lehrte mich die Worte der Menschen…

 

Jason

JasonDer Mann schlief eine ganze Woche obwohl das Fieber schnell abgeklungen war. Ich kann mich noch gut an unsere Aufregung erinnern.  Wir huschten immer um die schlafende Gestalt herum und benahmen uns wie alberne Gänse. Zwar wussten wir um die Menschen, wie wir um alle Lebewesen dieser Welt wissen, jedoch waren wir nie einem begegnet. Wenn ich heute daran zurückdenke, würde ich uns gerne einen Schlag auf den Hinterkopf verpassen. Aber ich glaube Jason, so wie er sich später vorstellte, fühlte sich geschmeichelt, als er schließlich wieder unter den Wachen weilte. Schließlich umgarnten ihn fünf junge Frauen und das obwohl er selbst schon in die Jahre gekommen war.

Es schien fast so, als würden wir ihn mit unserer guten Laune regelrecht anstecken und er vergaß sogar sich über seine Umgebung zu wundern. Fast so, als wäre er schon etliche Male hier gewesen und wir alte Bekannte.

Beim Essen erzählte Jason uns, dass er Fischer sei und der Sturm ihn überraschte. Erst jetzt fiel ihm auf, dass die Insel gar nicht auf seiner Karte verzeichnet war, ansonsten hätte er diese doch angesteuert um dem Sturm zu entkommen. Jedoch verstanden wir das Gesagte nicht, auch wenn wir wie gebannt zuhörten.

Die verbleibende Woche verständigten wir uns wie Kinder es tun, die noch nicht zu sprechen gelernt haben. Meine Schwestern schienen ganz hin und weg zu sein und tummelten sich ständig um ihn. Vor allem sein handwerkliches Geschick, das er beim Bau eines Bootes zeigte, gefiel ihnen und sie halfen ihm, wo sie konnten. Ich jedoch war eher eine stille Beobachterin. Vor allem seine Augen faszinierten mich. Man heißt doch: Die Augen sind der Spiegel zur Seele. Bei meinen Schwestern konnte ich ihre Reinheit und einen Teil unserer Mutter darin entdecken. Doch Jasons Augen offenbarten mir ein ganzes Spektrum und viele der Gefühle die darin schwammen, kannte ich damals nicht.

 

  Vorwort Teil 2

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