Auf ewig verbunden, doch niemals eins ~ Teil 5

Glück

GlückIch blieb bei Jason, auch als seine Tochter und Enkelkinder wieder nach Hause zurückkehrten. Zusammen mit ihm entdeckte ich, dass die Schönheit unserer Mutter sich auch über die Grenzen unserer Insel erstreckt. Auch wenn ich niemals jemanden traf, der war wie ich, glaube ich nicht, dass wir einzigartig sind.

Jason lehrte mich viel, nicht nur die Sprache seines Volkes. Mit jedem Tag wurde ich mehr ein Teil von dem Leben des kleinen Fischerdorfes und dieses ein Teil von mir. Der Alltag wurde eine liebgewonnene Gewohnheit. Natürlich vermisste ich meine Schwestern, dennoch kam mir nie in den Sinn zu ihnen zurückzukehren. Ihre Welt erschien mir plötzlich noch viel kleiner als damals am Ufer unserer Insel.

Das Glück hätte perfekt sein können, wäre da nicht dieser Schatten gewesen, der in den Ecken lauerte. Zum ersten Mal in meinem Leben lernte ich die Grausamkeit der Zeit kennen. Für Jason stand sie nicht still und das Ticken der Uhren hallte immer lauter in meinen Ohren wider. Immer mehr stahl sich das Grau in seine Haare und die Furchten der Haut wurden tiefer und häufiger.

Ich selbst alterte zwar nicht, aber dennoch hatte sich meine Erscheinung gewandelt. Meine Haare, die mir eins bis zur Hüfte gingen, ließ ich mir kürzer schneiden. Die nun schulterlangen Haare waren praktischer in meinem neuen Leben. Auch an Glanz hatten sie verloren, wie auch meine Haut nicht mehr geschmeidig war. Aber vor allem hatten sich aber meine Hände verändert, man sah ihnen die Arbeit an, die sie früher nicht gekannt hatten.

Die Schönheit von einst war vergangen und es machte mich oft traurig. Dennoch hatte ich meine Entscheidung niemals bereut und hätte dieses Leben für nichts auf der Welt eintauschen wollen. Jason sagte mir oft, wenn ich mich kritisch betrachtete, dass meine Schönheit nicht verschwunden sei, sie sich nur gewandelt habe.

Abschied

Er träumt weiter, auch wenn ich schon längst erwacht bin. Es sind nicht mehr unsere Träume, jetzt Abschiedschließen sie mich aus. Unsere Zeit verging viel zu schnell. All seine Sandkörner sind gefallen, keines ist mehr übrig. Auch wenn ich ihn suche, ist er nirgends mehr.

Ich bin zurück zu meinen Schwestern gegangen. Ohne Jason erschien mir die Menschenwelt schrecklich einsam und die Sehnsucht nach meiner alten Heimat wurde mit jeder Stunde unerträglicher. Doch meine Rückkehr flößte mir auch Angst ein, denn ich war nicht mehr wie sie.

Meine Schwestern freuten sich sehr mich wiederzusehen und auch mein Gemüt hellte sich für eine Weile auf. Aber die Trauer kann erbarmungslos sein, sie legte erneut ihre eiskalte Hand auf mein Herz. Die Welt, die mich damals einzuengen schien, wirkte nun so groß und leer. Mit der Zeit jedoch gewöhnte ich mich wieder an das Leben hier und ein Leben ohne Jason. Die Erinnerung an mein Leben außerhalb des Nebels wurde zu meinem kostbarsten Gut.

Ein Teil von mir wird auf ewig in der Stille warten, warten auf jemand, der niemals zu mir zurückkehren wird…

Ende

Ich hoffe die Geschichte hat Anklang gefunden und die Zeichnungen haben nicht zu Augenkrebs geführt XD

bienchen

Teil 4 Vorwort  

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.