Eine Bahnfahrt, die ist lustig

Eine Bahnfahrt, die ist lustig

Heinrich-König-Platz, wer kam eigentlich auf die grandiose Idee die Haltestelle umbenennen? Wenn der Platz oberhalb schon 1987 nach dem Priester benannt wurde, warum haben sie dann nicht direkt auch die Haltestelle umbenannt? Alles in einem Streich und mit allem, was dazugehört.

Das Beste daran wäre jedoch zweifelsohne gewesen: Ich wäre drei Jahre alt gewesen und hätte mich nie an einen anderen Namen gewöhnen müssen. Auch müsste ich nicht tausendmal die Frage beantworten: „Kommt nun nicht Neumarkt?“. Aber nein, man musste ja unbedingt auf den 60. Todestag warten…

Wie dem auch sei, ich stehe also an der Haltestelle, es ist früher Morgen und wie immer, muss man natürlich ausgerechnet jetzt hier putzen. Ich weiß, sie tun nur ihre Arbeit und das können sie auch gerne nun, aber bitte nicht jetzt.  

Aber sie sind hier, ich bin hier und so versuche ich so wenig wie möglich im Weg zu stehen und das schon zu so früher Stunde.

Da kommt endlich meine Straßenbahn, also setze ich mich wieder in Bewegung. Natürlich muss ich durch den Bereich, den die Frau gerade wischt hat. Ich grinse innerlich – ich weiß nicht sehr nett, aber ich bin genervt – sie blickt mich grimmig von der Seite an. Wenigstens ist die Bahn leer, also suche ich mir einen Sitzplatz und mache es mir bequem.

Der Platz neben bleibt jedoch nicht frei, obwohl die Bahn noch genug freie Sitzplätze bietet. Als der Mann verdächtig präzise auch mich zusteuert, denke ich noch: „Er wird sich wohl kaum neben mich setzen wollen“ – da sitzt er schon neben mir.

Aber mein Mp3-Player wird mich vor jeglicher Kommunikationsversuche schützen, zudem habe ich doch gerade meine Nase in mein Buch gesteckt. Er blickt zu mir und ich nehme Mundbewegungen in den Augenwinkeln wahr. Ich wünschte mir doch gerade wirklich den Tunnelblick eines Mannes. Mit der leisen Hoffnung er habe nur eine kurze Frage hat, lege ich mein Buch ab und ziehe die Kopfhörer aus den Ohren. Natürlich hat er nicht nur eine Frage und ich beginne innerlich meine Mutter für meine gute Erziehung zu verfluchen. Der Mann setzt mich vollständig darüber in Bilde, dass früher alles besser wäre und die Jugend heutzutage doch unsagbar schrecklich.
Moment mal, will der mir sagen, ich wäre alt?

Ich lächle freundlich, nicke, gebe hier und da ein zustimmendes Geräusch von mir und höre nur halb zu. Irgendwann haben wir endlich seine Haltestelle erreicht und ich bin froh ihn verabschieden zu können. Schnell versorge ich meine Gehörgänge wieder mit der morgendlichen Dosis Musik und stecke die Nase wieder ins Buch.
Und wenn der Kaiser von China mit mir reden will, diese Fahrt wird zu Ende gehen ohne ein weiteres Wort von mir.

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