Das Bildnis des Dorian Gray

Das Bildnis des Dorian Gray (Edition Anaconda)

Oscar Wildes Dorian Gray ist eine der berühmtesten Figuren der Weltliteratur: So stauneswert schön er ist, so unverdorben und naiv ist sein Blick auf die Welt. Verführt durch den geistreichen Zyniker Lord Henry Wotton, stürzt Dorian sich haltlos ins lüsterne Londoner Nachtleben. Ausschweifung und Genuss wecken in ihm den innigen Wunsch nach unvergänglicher Jugend – und auf wundersame Weise altert fortan nicht mehr er selbst, sondern ein Porträt von ihm. Doch Dorians unbedachter Pakt mit dunklen Mächten hat grausame Folgen…

288 Seiten ISBN 978-3-86647-865-7 € (D) 4,95

 

 

meinungJe mehr er kannte, um so mehr wünschte er kennen zu lernen.
Ein wahnsinniger Hunger war in ihm, der um so gieriger wurde,
je mehr er darauf bedacht war, ihn zu stillen.
(Seite 166)

Oscar Wilde beschreibt eindrucksvoll den Niedergang eines Menschen, der für seine Taten nie die Konsequenzen tragen muss. Nun könnte man erwarten, dass es dem Buch richtig zur Sache geht, wer das erwartet, wird jedoch enttäuscht. Das Buch lebt vor allem durch die Dialoge sowie Monologen.

Lord Henrys zynischen Reden sind wortgewandt und können einen regelrecht einweben. So geschieht es auch mit Dorian, der von Henry verdorben wird. (Auch wenn ich der Meinung bin, dass Dorian auch als unschuldigen Knabe – wie er am Anfang beschrieben wird – nicht unbedingt eine freundliche Seele innewohnen hatte.) Allerdings wird dem Leser schnell bewusst, dass Henry nichts anderes Tut als große Reden zu schwingen und formt Dorian zu einer Person, die er gerne wäre, doch zu feige dazu ist.

Henrys Reden können doch sehr desillusionierend sein. Denn nüchtern betrachtet, ist jede Handlung, die ein Mensch vollführt, nur für sich selbst und jeder von Grund auf ein Egoist. Der Unterschied zwischen „guten“ Menschen und „schlechten“ Menschen liegt nur darin, was für Dinge sie tun um sich selbst besser zu fühlen. Letzendlich sind Gefühle nichts anderes eine „Programmierung“. Man empfindet beispielsweise Liebe (jeglicher Art), weil der Mensch nicht alleine leben kann oder Hass als eine Art Schutzmechanismus. (Ich denke nicht, dass man mit dieser Einstellung durchs Leben laufen sollte, denn glücklich wird man so sicher nicht….aber unterm Strich ist es eben so.)

Im Großen und Ganz war es wirklich interessant den Roman zu lesen, allerdings neigte Wilde dazu etwas viel Geschwafel zu schreiben. Stellenweise wird Zeile um Zeile Dorians Schönheit beschrieben und beschrieben…und das immer und immer wieder. Der Schriftsteller war offensichtlich selbst in seine Figur verliebt. Jeder Lektor hätte wohl seine Freude daran gehabt, dass zusammen zustreichen. ^_~

gehtso

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.