Tokyo Inferno

Ich stelle euch heute allerdings nicht den Roman von Minoru Watanabe, sondern den Manga von Usamaru Furuga, vor. Wie schon anzunehmen, beruht der Manga auf den gleichnamigen Roman und Watanabe hat auch bei der Konzeption des Mangas mitgeholfen.

Tokyo – ein schrill leuchtendes Feuerwerk aus Neonfarben und Stimmen, das ebenso viele Träume beherbergt wie Lichter bei Nacht. Doch was sich wirklich hinter den Hoffnungen und Wünschen der Einwohner von Japans Hauptstadt versteckt, muss der frisch gebackene Universitätsabsolvent Jin am eigenen Leib erfahren, als auf einen Schlag alle Lichter erlöschen.

In einer kühlen Februarnacht in nicht allzu ferner Zukunft wird Tokyo von einem Erdbeben der Stärke acht überrascht. Binnen weniger Sekunden verwandelt sich der futuristische Großstadtdschungel in eine unberechenbare Todesfalle, und unter den Überlebenden verbreitet sich Chaos und Anarchie. Zusammen mit seiner alten Schulkameradin Nanako versucht Jin, aus dem künstlich aufgeschütteten Stadtteil Odaiba zu entkommen und zurück zu seiner Familie zu finden. Doch schon bald wird den beiden klar, dass sie den Spießrutenlauf durch ihre zerstörte Heimat nur dann überleben können, wenn sie ihre alten Träume und Ängste hinter sich lassen …

(Quelle: Tokyopop)
 

Kurzinfos:

Originaltitel:

„Kanojo o Mamoru 51 no Hōhō“,
dt. „51 Wege sie zu retten“

Deutsche Ausgabe:

Zwei Bände, abgeschlossen
488 Seiten pro Band
Großformat (14,5 x 21,1 cm)
16,95 Euro

 

Auf den ersten Blick denkt man sicher, der Manga wäre überteuert, jedoch bei genaueren Betrachtung sieht es ganz anders aus. Mit fast 500 Seiten haben die Bände schon eine beachtliche Dicke, hinzu kommt natürlich auch noch das Großformat. Man kann Tokyopop nur ein Lob dafür aussprechen, dass sie nicht auf die Idee gekommen sind die Panels zu verkleinern um ein anderes Format nutzen zu können. Denn bei der Verkleinerung wären viele Details verschluckt worden und das wäre sehr schade gewesen. Denn ich muss sagen, ich hab selten einen Manga gesehen, dessen Zeichnung so exakt ausgearbeitet sind.

Die ersten Seiten zeigen pro Seite eine Abbildung eines Charakters. Jede dieser Person hält ein Schild hoch, darauf haben sie ihre Wünsche für die Zukunft geschrieben. Dies sind ganz alltägliche Wünsche und Dinge, die im Verlauf der Geschichte immer mehr verblassen und in den Hintergrund rücken. Ist denn ein angesehener Job wirklich so wichtig? Auch, wenn man nie wirklich glücklich damit sein wird? Spielt es eine Rolle, ob es meine Lieblingsband noch in 10 Jahren gibt? Habe ich nicht dennoch noch ihre Musik?

Bei der Reise durch das von Erdbeben gebeutelten Tokyo müssen sich Jin, Nanako und Reika nicht nur denen Gefahren stellen, die das Erdbeben mit sich bringt, brüchige und überflutete Straßen, knappe Nahrungsmittel, Abgründe die ein Weitergehen verhindern und ähnlichem. Sondern sie müssen sich auch einer schrecklichen Tatsache stellen: Es können nicht alle überleben. Neben den Leichen, denen sie auf ihrem Weg begegnen, erfahren sie auch, dass obwohl sie bemüht sind Menschen zu retten, es nicht immer möglich ist. Aber vielleicht noch schlimmer ist die Feststellung wie grausam der Mensch sein kann. Und immer wieder stehen zwei Fragen im Vordergrund: „Wer bin ich?“ und „Wer will ich sein?“

Der Roman ist keine zusammenhängende Geschichte ansich, sondern es sind mehrere Berichte, die einem das richtige Verhalten in einem Katastrophenfall vermitteln sollen. Man merkt dem Manga durchaus an, dass es sich dabei um illustrierte Überlebenstipps handelt. Wer sich also an einem Lehrfaktor stört, sollte wohl den Manga nicht lesen und mancher mag der Geschichte eben das vorwerfen. Mag sein, dass es manche Leser auch sagen würden, es wäre zu banal geschrieben. Ich persönlich finde aber genau dies den richtigen Weg um wahrhaftige Schrecken zu vermitteln. Knallt man eine Tatsache auf den Tisch, so wie sie ist, dann empfindet man sie viel eher, als das was sie ist als verschnörkelt man sie mit schönen Worten.

Der Manga lässt einen nicht dumm sterben und auch ohne Hintergrundwissen über Japan ist er verständlich. Es gibt immer wieder Erklärungen zu den Situationen, warum ein Erdbeben solcher Stärke die illustrierten Geschehnissen auslösen würde.

Was mich angeht: Kaufempfehlung! 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.